Mock meat vs. Rebel meat

Mock meat vs. Rebel meat

Eigentlich wollte ich überhaupt nur über den Rebel Meat Burger schreiben, den ich Anfang August mit großer Neugierde endlich kosten konnte und jetzt hab ich mich wieder reingesteigert und einen elendig langen Artikel geschrieben – LOL – immer dasselbe. Ich habe hier mal den Status quo der größten Player und die IMO interessantesten Anbieter aufgelistet. Weil gerade bei gehypten Produkten wichtig ist was genau in und auch wer hinter den Produkten steckt. Als Beilage gibt’s meine subjektiven Überlegungen und Argumente, warum ich manche Produkte kaufen würde und andere nicht. TLDR: Ich liebe den Rebel Meat Burger, finde Hermann Fleischlos OK aber unnötig und würde die anderen Fleischimitate, die es in Österreich aktuell gibt, nicht kaufen. Freu mich über eure Meinung in den Kommentaren oder auf Twitter @lisavoc.

Rebel Meat Burger Patties. Credit: Rebel Meat

Man verliert fast den Überblick aktuell unter all den pflanzlichen Proteinprodukten, die uns helfen wollen, den Fleischkonsum zu reduzieren. Aktuell besonders der Klimawandel, aber auch Tierwohl und die eigene Gesundheit sind für viele die Gründe, warum sie den eigenen Fleischkonsum reduzieren wollen. Es herrscht mittlerweile weitgehend Konsens, dass das dringend nötig ist, trotzdem fällt es vielen schwer. Schon lange gibt es unterschiedlichste Veggie-Burger-Varianten auf (Soja-)Bohnen-, Seitan- oder Gemüsebasis. Relativ neu sind jene, die nicht nur behaupten, eine gute Fleischalternative zu sein, sondern in Konsistenz, Proteingehalt und Textur (bis hin zum “bluten”) Fleisch zum Verwechseln ähnlich sein wollen.

Garden Gourmet: Incredible Burger

heißt der Burger des Nestlé-Konzerns, der aktuell in zahlreichen Handelsketten zu finden ist.

Zutaten “Incredible Burger”: Trinkwasser, 19 % konzentriertes SOJAEIWEISS, pflanzliche Öle (Raps, Kokosnuss), 5 % WEIZENEIWEISS, Stabilisator (Methylcellulose), Branntweinessig, natürliche Aromen, Knoblauchpulver, Pflanzenkonzentrate (Rote Beete, Karotten, Paprika), Salz, GERSTENMALZEXTRAKT, schwarzer Pfeffer, Spirulinakonzentrat.

Kilopreis: rd. 22 EUR

Die Sojabohnen für Garden Gourmet Produkte kommen lt. eigener Website aus dem mittleren Westen der Vereinigten Staaten und Kanada. Die Herstellung der Produkte erfolgt in der Tschechischen Republik und zu einem kleinen Teil in Israel. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in den Niederlanden. Da hat sich’s dann schnell wieder mit der besseren Ökobilanz, nicht nur wegen dem langen Transport, sondern auch wegen der Bedingungen, unter denen die Rohstoffe hergestellt werden. Wenig überraschend ist der Incredible Burger also zwar ein fleischloses, trotzdem aber eher kein umweltfreundliches Produkt.

Ist das Kokosöl wirklich “gesünder”?

Die meisten pflanzlichen Burger enthalten Kokosfett, weil es von der Konsistenz her gut passt (bei Raumtemperatur hart, beim Braten schmilzt es). Kokosöl ist aktuell ja selbst unter Gesundheitsbewussten sehr beliebt, bei den Burgern handelt es sich allerdings um industriell hergestelltes raffiniertes Kokosfett ohne Bio-Zertifizierung. Das ist mit nativem Bio-Kokosöl nicht zu vergleichen. Die (angeblichen) gesundheitlichen Benefits braucht man daher nicht erwarten.

Beyond Meat: Beyond Burger & Co.

Das Startup wurde in den USA gegründet, mittlerweile ist auch in Europa ein Hype darum entstanden. Beyond Burger Patties und Beyond Würstel (beides vegan) gibt’s in Österreich z.B. bei Maran Vegan, METRO, seit kurzem auch bei BILLA und MERKUR zum Kilopreis von rund 26 EUR. In den USA gibt es neben dem Burger auch Beyond Sausage, Beyond Crumbles und Beyond Beef. Teil der Vertriebsstrategie von Beyond Meat war es, im Fleischregal verkauft zu werden, nicht etwa in einem eigenen Veggie/Vegan-Regal, wie es für die pflanzlichen Patties üblich ist. An manchen Verkaufsstellen in Österreich ist das auch gelungen, an manchen nicht. Auch der vegane Nischensupermarkt Maran Vegan entspricht eher nicht diesem Ansatz.

Zutaten “Beyond Burger”Wasser, Erbsenproteinisolat (18%), Rapsöl, raffiniertes Kokosfett, Aroma, Raucharoma, Stabilisatoren: Zellulose, Methylzellulose, Gummi arabicum, Kartoffelstärke, Maltodextrin, Hefeextrakt, Salz, Sonnenblumenöl, Trockenhefe, Antioxidationsmittel: Ascorbinsäure, Essigsäure, Farbstoff: Rote Beete, modifizierte Stärke, Apfelextrakt, Zitronensaftkonzentrat.

Kilopreis: rd. 26 EUR

Die Burger werden teilweise tiefgekühlt, teilweise aufgetaut verkauft.

Auf den Packungen steht ein Hinweis, dass die Burger schon mal eingefroren waren. Beyond Meat plant aufgrund der hohen Nachfrage und der Kritik am weiten (Tiefkühl-)Transport aktuell eine Fabrik in Europa, bis dahin müssen die Patties aus den USA importiert werden – was die Klimaschutz-Argumente für pflanzliches Protein doch einigermaßen entkräftet; vor allem im Vergleich zu regionalem Bio-Fleisch. Besonders beworben werden die Attribute:

  • ohne Soja
  • ohne Weizen
  • GMO-free
  • 20g pflanzliches Protein pro Burger

Wer steckt hinter Beyond Meat?

Beyond Meat ist ein US-amerikanisches Startup, gegründet von Ethan Brown, das in mehreren Finanzierungsrunden u.a. von Leonardo diCaprio, den Twitter-Gründern Ev Williams und Biz Stone und Bill Gates finanziert wurde. Seit 2019 ist Beyond Meat börsennotiert. Anteile hatte anfangs auch Tyson Foods, der weltweit größte Vermarkter von Hähnchen-, Rind- und Schweinefleisch, verkaufte seine Anteile aber noch vor dem Börsegang 2019 und will nun ein eigenes Produkt auf den Markt bringen. Produziert wird der Burger in Kolumbien, Firmensitz ist in den USA. Der Vertrieb am deutschen Markt erfolgt aktuell über die PHW-Gruppe / Lohmann & Co. AG, den größten deutschen Geflügelzüchter und -verarbeiter, die u.a. für ihre Hochleistungsrassen bekannt sind. Ab 2020 soll für den europäischen Markt in Holland produziert werden. Dafür ist Beyond Meat eine strategische Partnerschaft mit dem niederländischen Fleischlieferanten Zandbergen eingegangen. Zandbergen ist eines der weltweit führenden Unternehmen bei Kühl- und Gefrierfleisch, die Fleisch aus den USA, Argentinien, Brasilien, Uruguay, Paraguay, Chile, Thailand, Australien und Neuseeland importieren und in Europa und den Vereinigten Arabischen Emiraten verkaufen.

Der Next Level Burger von Next Level Meat

Lidl hatte anfänglich den Beyond Meat Burger im Angebot. Aufgrund der hohen Nachfrage sorgten Lieferengpässe und leere Regal bei Lidl-KundInnen aber für Frustration. Lidl reagiert damit jetzt mit einem eigenen Produkt der Eigenmarke “Next Level Meat”. Unter dem Namen “Next Level Burger” gibt’s vegane Patties aus Gemüse, Erbsen-, Soja- und Weizeneiweiß zum vergleichsweise billigen kg-Preis von 13,17 EUR.

Zutaten “Next Level Burger”Champignons (Champignons, Trinkwasser, Salz, Citronensäure, Ascorbinsäure –> anscheinend irgendeine Champignonkonserve), raffiniertes Kokosfett, Erbseneiweiß, Weizeneiweiß, Gemüse (Zwiebeln, Chicorée), Rapsöl, Weizenstärke, Hefeextrakt, Bambusfase, färbendes Lebensmittel: Rote-Bete-Saftkonzentrat, Konservierungsstoffe: Kaliumsorbat, Natriumacetate, Raucharoma.

Kilopreis: 13,17 EUR

 

Anders als Beyond Meat sind sie weder gluten- noch sojafrei. Ansonsten ist die Rezeptur und sogar das Branding doch recht stark abgekupfert. Die Patties werden in Deutschland hergestellt. Freilich weiß man aber nicht, woher die Rohstoffe kommen. Der billige Preis legt nahe, dass auch billigste Zutaten eingesetzt werden und die kommen in der Regel nicht aus der Region, sondern aus Niedriglohnländern. Insofern ist die vermeintlich “bessere” Ökobilanz auch hier fraglich, wie bei allen verarbeiteten Produkten mit instransparenter Herkunft der Bestandteile.

Und wie schmecken sie?

Das ist natürlich ein besonders subjektives Urteil. Weil ich einfach neugierig war und ich nicht über etwas schreiben wollte, was ich nicht probiert habe, habe ich alle oben genannten nach Packungsanleitung zubereitet und gekostet. Der Beyond Burger hat mich am meisten überrascht, weil er von vielen Seiten so gelobt wurde. Ich fand Geruch und Geschmack wirklich äußerst unangenehm, beides erinnert mich ein bisschen an verbranntes Plastik. Ansonsten schmecken alle ziemlich genau nach dem was drin ist: billiges Fett, Gewürze und künstliches Raucharoma. Rein vom Geschmack her am ehesten OK war der billigste von allen, der Next Level Burger von LIDL. Alle drei halte ich für wirklich entbehrlich und da ich grundsätzlich keine Produkte aus so minderwertigen Zutaten kaufe/esse, kämen sie für mich auch bei gutem Geschmack nicht in Frage. Dennoch sind sie natürlich besser als Billigfleisch, keine Frage.

Wonder Burger von ALDI

Auch ALDI Deutschland hat übrigens seit kurzem einen Diskont-Burger auf pflanzlicher Basis, nämlich aus Soja, im Angebot. Anzunehmen ist, dass dieser bei entsprechendem Erfolg auch bald in Österreich erhältlich ist. (Nicht in Österreich erhältlich)

Warum wir mit diesen Burgern das Klima nicht retten werden

Der Incredible Burger, der Next Level Burger, der Beyond Burger und ähnliche Produkte haben für mich keinerlei Mehrwert. Weder kulinarisch, noch ökologisch.

  • Der Kilopreis ist sehr hoch, meist sogar höher als der von österreichischem Bio-Faschiertem, obwohl die Rohstoffe weder biologisch, noch regional oder sonstwie umweltfreundlich sind. Es sind “Luxus”produkte, die relativ teuer sind, obwohl die Zutaten minderwertig sind: weitgereist, gesundheitlich nicht besonders wertvoll, unbekannter Herkunft ohne besondere Produktionsstandards.
  • Hohes Transportaufkommen entlang der Produktionskette und mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit Zutaten aus industrieller, klimaschädlicher Landwirtschaft (egal ob Soja, Weizen, Ei, Erbsen…), generell ressourcenintensive Produktion
  • Wenn beyond meat behauptet, der Burger hätte 46% weniger Energie und 90% weniger Treibhausgasemissionen als vergleichbare Fleischburger, sind da die Exporte ins Ausland und die Tiefkühlung einberechnet? (ziemlich sicher nicht).
  • Alle werden in sehr kleinen Mengen von rd. 230 g in sehr viel Plastikverpackung verkauft. Ja, das trifft auch auf Fleisch im SB-Bereicht zu, kann aber durch Kauf an der Theke eingespart werden.
  • Diese Produkte geben den KonsumentInnen das Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun, obwohl dem nicht so ist.
  • Allein aufgrund des Preises bezweifle ich, dass diese Produkte das Problem des überbordenden Fleischkonsums lösen werden. Ob die pflanzlichen Burger “besser” sind als Fleisch, hängt natürlich davon ab, womit man sie vergleicht: Ähnlich hoch verarbeitete Billig-Industrieburger aus billigem, Schweinefleisch aus Niedriglohnländern – ja, da sind die Fake-Burger wahrscheinlich besser. Aber mit Billigfleisch können sie preislich bei Weitem nicht mithalten, weshalb sie Billig-Fleisch auch nicht so leicht verdrängen werden. Denn ein wesentlicher Grund, warum wir viel zu viel Fleisch essen, ist, dass es jederzeit und überall sehr billig verfügbar ist.
  • Stolz rechnen die Unternehmen vor, dass sie 99% weniger Wasser brauchen als für einen vergleichbaren Fleischburger. Das klingt dann immer super und es gibt hübsche Infografiken dazu, die eignen sich hervorragend zu medialen Verbreitung. Nur stellt sich mir da immer die Frage, mit welcher Fleischproduktion verglichen wird. Massentierhaltung und Fütterung mit brasilianischem Soja ist nicht mit österreichischer (kleinstrukturierter) Bio-Landwirtschaft zu vergleichen.
  • Ich bezweifle, dass die Ökobilanz der industriell hoch verarbeiteten Mock meat Burger insgesamt besser ist als jene von regionalem Bio-Rindfleisch aus Landwirtschaft. Ich habe schon einige Rindfleischbetriebe in Österreich gesehen und halte kleinstrukturierte Bio-Rindfleischbetriebe nicht für besonders große Klimasünder.
  • Auch dabei wird nämlich viel zu wenig differenziert: Es ist ein riesiger Unterschied zwischen (Bio-)Rindern, die Grünfutter von der Weide fressen und Rindern, die für maximale Fleischleistung zu möglichst niedrigen Kosten mit (importiertem) Kraftfutter gemästet werden, das von Flächen kommt, auf denen man auch Lebensmittel für den menschlichen Verzehr anbauen könnte.
  • Es ist kein Zufall, dass keines der Produkte biozertifziert ist. Alle diese Rezepturen beinhalten Inhaltsstoffe, die für Bio-Produkte verboten sind.

“Zu viel Fleisch” ist sicher klima- und gesundheitsschädlich. Aber “kein Fleisch” ist nicht automatisch klimafreundlich oder “gesund”.

Für mich gilt daher nach wie vor: entweder kein Fleisch – auch kein mock meat – oder österreichisches Bio-Fleisch, und das in sehr kleinen Mengen, als echte Delikatesse.

Rebel-Meat-Schild

Das österreichische Start-up Rebel Meat

Vor einiger Zeit hat mir @diegamon in einem Gespräch über Fleischkonsum/Fleischverzicht von einem österreichischen Startup erzählt, das einen Hybrid-Burger entwickelt hat, der nur noch zur Hälfte aus Fleisch – und zwar österreichischem Bio-Rindfleisch – besteht – also kein veganer Fleischersatz, sondern eben ein Burger mit weniger, dafür heimischem Bio-Fleisch.

Zutaten: Bio-Rindfleisch aus Österreich (50%), Bio-Kräuterseitlinge aus Österreich (30%), Bio-Hirse aus Österreich (18%), Bio-Gewürze und Speisesalz (2%)

Als langjähriger Kräuterseitlings-Superfan (siehe zB. Liebesbrief an den Kräuterseitling in auf Tumblr im Jahre 2014) braucht man mich ja nicht lange davon zu überzeugen. Ich wollte den Rebel Meat Burger jedenfalls sofort kosten. Seit Anfang August gibt es endlich die ersten Burgerlokale in Wien, die ihn anbieten. Vorerst gibt’s Rebel meat nämlich nur in der Gastronomie. Laut Trending Topics wird es die Burger auch bald bei METRO geben.

Nur noch die Hälfte Fleisch, dafür 100% Bio. Credit: Rebel Meat

Wo gibt es den Rebel Meat Burger?

In Wien:

  • Plain im 9.
  • die Burgermacher im 7.
  • OmNom Burger im 9. und 5.
  • Burger Lover im Leo im 9.
  • Beaver Brewing Company im 9.

Was mir – neben dem wirklich sehr guten Geschmack & der super Konsistenz – an Rebel Meat so taugt, ist dass der Burger nicht oberflächlich mit der Halbwahrheit “weniger Fleisch = umweltfreundlich” wirbt, sondern auch aus biologischen Zutaten regional hergestellt wird.  Ich mag Lösungsansätze, die Differenzierung zulassen und nicht mit plakativen Schwarz-Weiß-Argumenten punkten wollen. Und ich glaube, dass Rebel Meat viele Menschen in eine richtige Richtung lenken kann, die niemals vegetarische/vegane Burger kaufen würden. Die ersten Fleischersatz-Produkte waren allesamt so grauslich, dass selbst Menschen, die offen dafür gewesen wären und sie probiert hätten, ziemlich schnell vergrault wurden. Und ich verstehe es. Ich persönlich brauche überhaupt keinen Fleisch”ersatz” weil es so viele von Natur aus vegetarische/vegan Gerichte gibt, die mir schmecken. Und für gute Pilze lasse ich jedes Fleisch stehen. Vegetarische Speisen haben aber in der österreichischen Esskultur traditionell keinen sehr großen Platz und es fehlt nach wie vor am Wissen und Bewusstsein, wie gut pflanzliche Küche sein kann. Unten gibt’s dazu einige Links & Empfehlungen von mir.

Hermann Fleischlos

Die Ulrichsberger produzieren zwar (noch) keine Burger, dürfen aber an dieser Stelle nicht fehlen. Auch Neuburger, den man nicht Leberkäse nennen soll, hat ein Veggie Spin-off gegründet und ist im Laufe der Produktentwicklung draufgekommen, dass der Kräuterseitling eine viel bessere Fleischalternative anbietet, als Soja-, Erbsen- oder Weizeneiweiß. Ich finde die HF-Produkte geschmacklich um Welten besser als alle oben genannten mock meat burger. Und – mindestens so wichtig: Auch Hermann garantiert biologische Zutaten & regionale Herstellung im Mühlviertel.

Zutaten: Bio-Kräuterseitlinge 76 %, gekochter Bio-Reis, getrocknetes Bio-Hühnereieiweiß, Salz, Bio-Gewürze, Bio-Sonnenblumenöl

Kilopreis: rd. 27 EUR

Esst mehr Kräuterseitlinge!

Kaufen würde ich sie trotzdem eher nicht, denn ich kaufe mir lieber weiterhin ledige Kräuterseitlinge oder andere Pilze und bereite sie nach meinen Vorlieben zu, das ist mindestens so gut, um einiges günstiger und umweltfreundlicher:

  • weniger Verpackungsmüll
  • keine industrielle Verarbeitung
  • Der Kilopreis von Bio-Kräuterseitlingen im Supermarkt liegt unter 20 EUR vs. rd. 27 EUR bei Hermann Fleischlos

Ich liebe Kräuterseitlinge. Und das nicht erst, seit sie faschiert und in Würstelform gepresst werden. Darum halte ich für mich persönlich ein Produkt wie Hermann Fleischlos eher für eine Ressourcenverschwendung.

Andererseits ist es aber vielleicht die richtige Methode, um den ÖsterreicherInnen den köstlichen Geschmack von Kräuterseitlingen nahezubringen. Sehr österreichisch irgendwie – dass wir gute pflanzliche Lebensmittel erst in Würstelform pressen müssen, damit sie gut ankommen.

Der Knackpunkt:

Auch Hermann Fleischlos liegt mit einem Kilopreis von ca. 27 EUR auch im Bereich von Beyond Meat und Incredible Burger, etwas über als Bio-Faschiertem, und nicht annähernd konkurrenzfähig mit konventionellem Fleisch. Bei Rebel Meat hat man diesen Vergleich vorerst nicht, bei OmNom Burger kosten sie in etwa dasselbe wie alle anderen Burger.

Meine Favoriten

Vom Klimaschutz-Aspekt her sind für mich nur Rebel Meat und Hermann Fleischlos glaubwürdige Produkte: regionale, biologische Rohstoffe. Und – natürlich Geschmackssache – beide schmecken mir persönlich gut, während ich die anderen wirklich ekelhaft finde. Nach wie vor sind Pilze für mich der allerbeste “Fleischersatz”. Und wenn es nicht grad die 0815-Zuchtchampignons in weiß sind, bringen sie einen fantastischen Umami-Geschmack mit sich und haben eine super Ökobilanz, wenn sie aus regionaler Bio-Zucht  (oder noch besser eigener Sammlung) stammen.

Bio-Wiesenchampignons schmecken intensiver als weiße Zuchtchampignons

Weitere spannende Projekte & Unternehmen:

Impossible Foods

Viel spannender als das hiesige Angebot an mock meat fände ich die Produkte von Impossible Foods. Den hab ich aber leider noch nicht probiert. Impossible Burger gibt es noch nicht in Österreich und auch nichts Vergleichbares. Impossible Foods hat den Blutfarbstoff Hämoglobin als jenen wesentlichen Bestandteil von Fleisch identifiziert, der Fleisch so verlockend für uns macht. Daher konzentriert sich IF darauf, diesen Bestandteil auf pflanzlicher Basis nachzubilden, um den komplexen Fleischgeschmack besser nachzubilden. Auch Pflanzen enthalten Häm, wenn auch in geringerer Dosis. Anfangs wurde Leghemoglobin aus den Wurzeln der Sojapflanze gewonnen, wofür aber sehr große Mengen Soja nötig gewesen wären. Mittlerweile nutzt IF Gentechnik um noch effizienter größere Mengen an pflanzlichem Häm zu gewinnen: Ein Gen aus der Sojapflanze wird in Hefezellen eingeschleust, durch Fermentation wird dann Häm produziert.

Zutaten: Wasser, Soja-Protein-Konzentrat, Kokosöl, Sonnenblumenöl, natürliche Aromen, 2% oder weniger von Kartoffelprotein, Methylzellulose, Hefeextrakt, kultivierte Dextrose, modifizierte Stärke, modifiziertes Leghemoglobin, Salz, Soja-Protein-Isolat, diverse Tocopherole (Vitamin E), Zink Gluconat, Thiamin Hydrochlorid (Vitamin B1), Ascorbinsäure (Vitamin C), Niacin, Pyridoxin Hydrochlorid (Vitamin B6), Riboflavin (Vitamin B2), Vitamin B12.

Im Juli 2016 lancierte Impossible Foods den „unmöglichen Burger“, 2019 wurde die Rezeptur verändert. Statt Weizenprotein wird seither Sojaprotein eingesetzt. Warum genau, wird hier sehr genau und interessant erklärt.

Gentechnik: No-Go oder Schlüsseltechnologie?

Während sich ander mock meats auf die Fahnen schreiben, dass ihre Produkte GVO-frei sind, ist Gentechnik bei Impossible Burger der Schlüssel zur umweltfreundlichen Herstellung. In Europa – und ganz besonders in Österreich – ist so ein Produkt derzeit schwer vorstellbar, vor allem aufgrund der pauschalen (meist unreflektierten und undifferenzierten) Ablehnung von Gentechnik. Auch rechtlich ist die Lage etwas schwieriger, das gentechnisch hergestellte Leghämoglobin muss erst durch das sog. Novel Food Zulassungsverfahren (EU-weite Novel-Food Verordnung). Natürlich ist auch IF nicht biozertifziert, da die EU-Bio-Verordnung Gentechnik derzeit kategorisch ausschließt.

Wer steckt hinter Impossible Foods?

Impossible Foods gehört keinem Konzern, sondern ist ein eigenständiges Unternehmen, welches von diversen internationalen Investoren unterstützt wurde, darunter Google Ventures, die Schweizer Bank UBS, ein Milliardär aus Hong Kong und Bill Gates. Laut Handelsblatt haben auch Katy Perry, Serena Williams und Jay-Z investiert. Burger King hat in den USA mittlerweile den Impossible Whopper im Sortiment.

Liebe übrigens die Website.

Raised & Rooted

Heiß diskutiert ist auch das vegetarische Spinoff des US-Riesen Tyson Foods. Tyson Foods ist eines der am meisten für Massentierhaltung und Massenproduktion von Billigfleisch bekannt. Mit “Raised & Rooted” wollen sie nach dem Verkauf ihrer Beyond Meat-Anteile ab Herbst 2019 auf am Veggie-Proteinmarkt selbst mitmischen. Es gibt vegetarische Nuggets mit Erbsenprotein und Hühnereiweiß sowie Hybrid Meat Burger mit Angus Beef und Erbsenprotein. Die Zutatenlisten sind lang und ebenso weit weg von biologisch oder umweltfreundlich. (Nicht in Österreich erhältlich).

Zutaten: Vegane Ballaststoffe: Wasser, Erbsenproteinisolat, Rapsöl, Sodiumalginat, Zitrusfaser, Kalziumchlorid, Bambusfaser, getrocknetes Hühnereiweißpulver, Gewürze (Salz, Maltodextrin aus Mais), natürliches Aroma, Hefeextrakt, Zitronensäure, Zwiebelpulver, Torulahefe, Wasser, Leinsaat. Panier: Wasser, Weizenmehl, Maismehl, Speisestärke, Salz, Backtriebmittel (Sodium acid Pyrophosphat, Sodium Bicarbonat), Gewürze, natürliche Aromen, Pflanzenöle.

Photo via Mosa meat, Photo credit: David Parry/PA

In-vitro Fleisch und Blick in die Zukunft

Der Vollständigkeit halber sei hier auch noch das Thema In-vitro Fleisch erwähnt, welches oft mit der Herstellungsmethode von Impossible Foods verwechselt wird. Methode und Ausgangsprodukte sind aber nochmal ganz was anderes. Allen voran steht Mosa Meat mit Sitz in Maastricht, die 2013 den ersten Laborfleisch-Burger um rd. €250,000 präsentiert haben. Bei sog. “cultured meat” handelt es sich um Fleisch, das aus Stammzellen von Tieren gezüchtet wurde, ohne dass ein eigenes Tier großgezogen und geschlachtet werden musste. Diese Produkte sind also nicht vegan, kommen aber ohne Tierhaltung und -schlachtung aus, wodurch doch gewichtige Beweggründe für vegane Ernährung umgangen werden. Mosa Meats arbeitet derzeit an einer Lösung für den Massenmarkt zu leistbaren Preisen. Geplant ist ein Launch 2021, ich bin gespannt! Auch andere Unternehmen sind nun auf den Zug aufgesprungen, u.a. das von Bill Gates und Richard Branson finanzierte Memphis Meats.

Auch am Fischsektor tut sich schon einiges:

  • Blue Nalu und Finless Foods arbeiten mit ähnlichen Technologien an Fisch & Seafood aus tierischen Stammzellen.
  • Good Catch Foods: Fischähnliches Produkt auf Basis von Hülsenfrüchten und Algen, leider bisher nur in den USA erhältlich, gentechnikfrei, nicht bio-zertifiziert, laut eigenen Angaben arbeitet man allerdings darauf hin. Produziert wird in UK und USA.
Photo via Mosa meat, Photo credit: David Parry/PA

Kochbuch- und Rezept-Empfehlungen für pflanzliche Küche:

Man kann auch ohne diese Produkte richtig geil, saisonal, regional und biologisch essen – umweltfreundlicher und günstiger:

PS: Logischerweise werden in diesem Artikel Marken und Unternehmen erwähnt. Ich betreibe diesen Blog nach wie vor als Herzensprojekt, unbezahlt, dafür mit allen Freiheiten. Die Produkte habe ich alle selbst gekauft und keinerlei Gegenleistung für Werbung oder Erwähnungen erhalten – weder Geld, noch Produkte.

3 thoughts on “Mock meat vs. Rebel meat

  1. Informativer Artikel! Natürlich sind diese veganen Patties kein Bestandteil einer gesunden Ernährung, ganz abgesehen von den fragwürdigen Zusatzstoffen finde ich an den Grundzutaten (Hülsenfrüchte, Weizen) jedoch nichts Verwerfliches – im Gegenteil. Zudem sind die meisten Veganer ethisch motiviert – klar spielen Nachhaltigkeit und Gesundheit auch keine unwichtige Rolle. In diesem Artikel wurde der erste Aspekt völlig ausgeklammert. So finde ich es gesundheitlich und ökologisch vertretbar, 1-2 Mal pro Monat so einen pflanzlichen Burger zu verspeisen. Ich finde übrigens auch den Next Level Burger am besten, beim Beyond Burger verstehe ich den Hype nicht ganz – für mich hatte er auch einen unangenehmen, plastikähnlichen Beigeschmack.
    Wie gesagt, finde ich es schade, dass auf den ethischen Aspekt überhaupt nicht eingegangen wird, weil eben aus diesem Grund viele Umsteiger oder Interessierte zur pflanzlichen Alternative greifen. Ich habe nirgendwo gelesen, dass die Burger damit werben, nachhaltig zu sein. Ein Vergleich: Das ist in etwa so wie Windräder unter dem Aspekt der Ästhetik zu betrachten und zum Schluss zu kommen, dass man Windenergie nicht gut findet wegen der Verschandelung der Landschaft. Man kann die Schönheit von Windrädern bewerten, sie haben aber nicht den Anspruch, schön zu sein, sondern wollen nachhaltig sein.
    Bei einem Hybrid-Burger frage ich mich, wofür? Für mich in etwa so sinnvoll wie fettreduzierter Joghurt. Es ist gut, wenn Menschen dadurch weniger Fleisch essen, trotzdem klingt die “nur 50% Fleisch” Lösung ein bisschen so wie “gewollt, aber nicht gekonnt”. Das Gleiche bei der Kreation von Schärdinger Hafer + Milch, geht in dieselbe Richtung. Gibt es wirklich genügend Zielgruppe dafür?
    Abschließend: Du schreibst, dass du schon viele Rindfleischbetriebe besichtigt hast. Wie steht es mit den zugehörigen Schlachthöfen, hast du die auch besichtigt bzw. kann man die überhaupt besichtigen? Ich bezweifle, dass ein Bio-Rind anders geschlachtet wird als ein Massenbetriebs-Rind.

    1. Liebe Livia, danke für deinen Kommentar.

      Du hast natürlich einen Punkt, die ethische Komponente, ob wir das Fleisch anderer Lebewesen essen dürfen/sollen ist in diesem Artikel, aber das hat auch ein paar Gründe: erstens hatte ich ehrlich gesagt schon nach zwei Drittel meines Texts Bedenken, ob sich überhaupt irgendwer diesen Artikel liest, weil er eh schon so lang ist. Essen ist einfach wahnsinnig komplex und man könnte immer noch mehr Aspekte einbeziehen. Zweitens finde ich, dass über die Frage, ob man Fleisch essen darf, eh schon sehr viel und ausführlich an anderen Stellen/diskutiert und geschrieben wird und ich wollte mich einfach auf Aspekte konzentrieren, die meiner Meinung nach noch zu wenig beleuchtet werden. Und drittens maße ich mir nicht an, zu definieren, was ethisch korrekt, oder nicht korrekt ist. Darum habe ich mich bemüht möglichst viele neutrale Fakten aufzuzeigen, die man vielleicht nicht schon 3808005 Mal gelesen hat, sodass sich jede/r seine/ihre eigene Meinung dazu bilden kann. Darum ging es mir.

      Die Burger werben sehr wohl damit, dass sie besser für den Planeten und für die Gesundheit der Menschen sind. Alle. Dauernd. Ich bezweifle es. Trotzdem glaube ich auch, dass es kein gesundheitliches Problem ist, so einen Burger ab und zu zu essen, habe ich auch nicht behauptet. Und ich glaube auch, dass sie besser sind als Fleisch aus Massentierhaltung, das quer über den Globus transportiert wird, steht auch oben. Aber das reicht halt trotzdem nicht um sie als “klimafreundlich” zu bezeichnen.

      Wenn du die Grundzutaten nicht verwerflich findest (Hülsenfrüchte, Weizen..) ist es dir egal unter welchen Umständen diese angebaut werden? Ist es ethisch korrekt, wenn Lebewesen aussterben, weil in der konventionellen Landwirtschaft Gifte gespritzt werden, die alles umbringen? Ab wann ist es OK ein Lebewesen zu töten, ab wann verwerflich?

      Und ja, war auch schon bei einer Schlachtung dabei, allerdings nicht in einem großen Schlachtbetrieb, sondern bei einer Hofschlachtung, was eher die Ausnahme ist weil mit deinem letzten Satz liegst du insofern richtig, dass die Bioverordnung keine besonderen Standards für Schlachtung setzt. Das finde ich nicht gut. Viele Bio-Tiere werden in denselben Schlachtbetrieben geschlachtet wie konventionelle. Leider sind Hofschlachtungen selten geworden, weil die Vorschriften im Vergleich zu früher viel strenger sind, sodass sich diesen Aufwand nur noch wenige Bauern leisten (können). Ich würde mir wünschen, dass mehr Hofschlachtungen möglich sind. In OÖ läuft – dank der Grünen im OÖ Landtag – gerade ein Pilotprojekt mit sog. mobilen Hofschlachtungen, mit dem Hofschlachtungen wieder mehr Betrieben ermöglicht werden sollen – das erspart den Tieren Transporte und Stress.

      Sorry für Tippfehler, ist schon spät ;) danke jedenfalls fürs Mitlesen und Kommentieren!

  2. Liebe Lisa!

    Ein wirklich sehr informativer Artikel – vielen Dank dafür!
    Der “Rebel Meat” klingt gut – den könnte ich tatsächlich einmal versuchen!

    Danke und have fun
    Horst

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